Facheinrichtung für Seniorenpflege / Altenpflege & Schwerstpflege

Bereits seit 1993 pflegen und therapieren wir auf Gut Retzen Menschen mit schweren und schwersten Schädel-Hirn-Verletzungen, Wachkomazuständen und vielen weiteren schweren Krankheitsbildern wie bspw. Multipler Sklerose im fortgeschrittenen Stadium etc. Im Folgenden möchten wir ein wenig Hintergrundwissen zum Bereich der Schwerst-Schädel-Hirn-Verletzten Menschen im Wachkoma geben.

Wer im Koma liegt, ist nicht ansprechbar und reagiert nicht auf starke Außenreize oder Schmerzreize. Die Betroffenen haben ihre Spontanatmung sowie ihren Schlaf-Wach Rhythmus verloren. Ihre Augen bleiben geschlossen. Mit einem Wachkoma, wobei hier oft der Begriff "apallisches Syndrom" synonym verwendet wird, ist ein Zustand gemeint, in dem der Kranke erschöpfungs- oder tageszeitlich abhängig die Augen öffnet. Allerdings fixieren sie nicht, sondern blicken ins Leere. Es besteht Spontanatmung, ein Schlaf-Wach Rhythmus ist erkennbar. Die Kranken zeigen aber keine "sinnvollen" Reaktionen auf starke Außenreize, insbesondere nicht auf einen Schmerzreiz. Es besteht auch keine "absichtsvolle" Eigentätigkeit oder Kontaktaufnahme. So viel zur "offiziellen", rein biomedizinischen Definition. Diese Definition enthält aber einen Kategoriefehler, weil subjektive Werturteile wie "sinnvoll" und "absichtsvoll" nicht zu objektiven Merkmalen von Menschen im Koma gemacht werden können. Dass aus dem Fehlen einer Reaktion auf starke Außenreize auf den Verlust des "Bewusstseins" von jeglichen inneren Wahrnehmungen, Empfindungen und Erleben rückgeschlossen wird, ist ebenfalls sehr kritisch zu betrachten und angesichts neuerer Forschungsergebnisse als fragwürdig zu beurteilen, zumindest was weniger tiefe Komastadien (oder frühe Remissionsphasen aus dem Wachkoma) betrifft.

Auch im Koma und Wachkoma sind Menschen durch ihre lebendigen Körper und Sinne mit der umgebenden Natur und anderen Menschen verbunden. Die Erkrankung zwingt sie jedoch zu einem Leben in tiefster Abgeschiedenheit "auf der Schwelle". Es wurde mit modernen bildgebenden Verfahren, welche die Gehirnaktivität messen, nachgewiesen, dass Menschen im so genannten apallischen Syndrom offenbar nicht nur sensorische Stimulationen und menschliche Stimmen wahrnehmen, sondern auch träumen können oder sogar auf einfache Weise Reaktionen erlernen können. Nahe Angehörige berichten, dass sie die alte Persönlichkeit des Patienten im Wachkoma "durchscheinen" sehen. Es gibt nur wenige Selbsterfahrungsberichte und Beobachtungen darüber, was Menschen im Koma wahrnehmen und erleben. Sie enthalten glaubwürdige Schilderungen mit Nahtoderfahrungen mit ozeanischem Erleben, fließenden Seen, hellen Lichtern und Tunnelphänomenen, bizarren Körperselbstwahrnehmungen, Selbstentgrenzungen und paradoxen Erlebnissen, als würden sie sich selbst von der Decke her beobachten. Es ist ein Leben im "Niemandsland" zwischen Leben und Tod. Es kann aber niemals sicher vorausgesagt werden, ob, wie viel und wie ein Mensch im Koma und so genannten apallischen Syndrom wahrnimmt, was er erlebt und wie er empfindet, auch wenn er nach unseren Maßstäben nicht reagiert und sich nicht zu äußern scheint. Und genau diese scheinbare Reaktions- und Empfindungslosigkeit hat dazu geführt, dass die Erkrankung nicht selten als "vegetativer Zustand" - als Übersetzung der englischen Bezeichnung "vegetative state" – bezeichnet wird. 1969 tauchte in den USA und England diese Formulierung auf. Die Großhirnrinde, das Pallium sei abgeschaltet, die Kranken führten nur noch ein Leben auf der Grundlage ihres vegetativen Nervensystems, welches durch Zentren im Hirnstamm und Zwischenhirn reguliert werde und über keinerlei "Bewusstsein" verfüge. Damit wird nahe gelegt, die Lebensform dieser Kranken als primitiv, "pflanzliches Leben" oder - wie im Nationalsozialismus geschehen und heute leider immer noch vorkommend - als "sinnlose Hülle", "lebensunwert" oder "Ballastexistenzen" zu bezeichnen. Dies ist jedoch inhuman und unethisch. Menschen im Wachkoma brauchen keine Sterbehilfe; sie sind weder "Sterbenskranke" noch "Hirntote"; sie brauchen Lebenshilfe!

Allein durch Verkehrsunfälle und Schädel-Hirn-Traumen fallen hierzulande pro Jahr etwa 40.000 Menschen in ein Koma, das länger als eine Woche anhält. Bei 50 Prozent dauert das Koma drei bis vier Wochen. Fünf- bis sechstausend Patienten bleiben pro Jahr im Wachkoma "stecken" und verbleiben sechs Monate oder mehr in dieser Lebensform. Diese Menschen können bis an ihr Lebensende im Wachkoma verharren - bei jungen Menschen können dies mehrere Jahrzehnte sein. Wenn man noch die anderen Ursachen, wie Reanimations- und Schockzustände, Ertrinkungstraumen, Sauerstoffmangel, schwere Durchblutungsstörungen und Entzündungen des Gehirns hinzuzählt, dürften etwa 200 bis 300 Menschen pro Tag ein Koma erleiden. Genaue Zahlen darüber gibt es nicht. Wenn man die Angaben einer Befragung in norddeutschen Pflegeheimen hochrechnet, die 1994 von zwei Diplomandinnen des Studiengangs Behindertenpädagogik der Bremer Universität durch geführt wurde, kommt man zu dem Ergebnis, dass bundesweit zwischen zehn- und zwölftausend Menschen im Wachkoma leben. Der Bundesverband Schädel-Hirnpatienten e. V. in Amberg rechnet mit 8.000 Menschen im Wachkoma, wovon 70 Prozent in häuslich-familiärer Umgebung gepflegt und betreut werden. Die restlichen 30 Prozent leben in Pflegeheimen, wovon nur zehn Prozent in speziellen Schwerstpflegeheimen und Wachkoma-Stationen untergebracht sind.

Besonders dieser Umstand ist jedoch zu beklagen, da "normale", auf die klassische Seniorenpflege spezialisierte, Pflegeeinrichtungen in der Regel nicht ohne weiteres in der Lage sind, Menschen mit solch komplexen Krankheitsbildern adäquat zu versorgen. Zum einen fehlt es häufig an geeigneter Ausstattung, schwerer wiegt jedoch in der Regel die fehlende Qualifikation und Erfahrung in diesem Bereich. Immerhin werden neben hohen Anforderungen an die quantitative Personalausstattung vor allem höchste qualitative Ansprüche an alle an der Versorgung beteiligten Personen gestellt. Und da theoretische Wissensvermittlung hinsichtlich der Langzeitversorgung Schwerst-Schädel-Hirn-Verletzter Menschen in der sog. "Phase F" nach wie vor begrenzt ist, muss daher dem Faktor "Praxiserfahrung" auf diesem Spezialgebiet eine herausragende Bedeutung beigemessen werden.

Insofern können wir auf Gut Retzen auf eine langjährige Erfahrung auf diesem Gebiet zurückgreifen, die sich nicht zuletzt in einer hervorragenden Ergebnisqualität der Pflege, sowie in zufriedenen Bewohnern und Angehörigen niederschlägt.

 
Gut Retzen
Retzen 5-7
27305 Süstedt
Telefon: (0 42 40) 93 00-0

eMail: info@gut-retzen.de